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Eine Ausstellung im Weltkulturen Museum Frankfurt 

»Gesammelt. Gekauft. Geraubt? Fallbeispiele aus kolonialem und nationalsozialistischem Kontext«

 

Ganesha-Figur, Java, Indonesien. Ankauf bei Kunstzaal van Lier, Amsterdam, April 1941. Sammlung Weltkulturen Museum; Bildquelle: Wolfgang Günzel

 

(InMaOn/wkm) Das Weltkulturen Museum in Frankfurt startet im August 2018, mit »Gesammelt. Gekauft. Geraubt? Fallbeispiele aus kolonialem und nationalsozialistischem Kontext«, eine neue Ausstellung, die auch Verbindungen zum indonesischen Kulturraum aufweist.

 

Ausstellungseröffnung ist am 15. August 2018 um 19 Uhr.

Ausstellungsdauer ist vom 16. August 2018 - 27. Januar 2019

 

Weltkulturen Museum; Bildquelle: Wolfgang Günzel

 

Wie kamen Anfang des 20. Jahrhunderts Ahnenfiguren aus Nias auf den europäischen Kunstmarkt? Weshalb konnte das Museum Anfang der 1940er Jahre in Paris und Amsterdam »günstige« Ankäufe machen? Handelt es sich bei einem Waffengurt aus Südafrika um Kriegsbeute? Das sind nur einige Fragen, die bei der Auseinandersetzung mit der hauseigenen Sammlung aufkommen. In der Ausstellung »Gesammelt. Gekauft. Geraubt?« werden diese Fragen anhand von ausgewählten Fallbeispielen aus kolonialem und nationalsozialistischem Kontext beleuchtet.

 

Das hauseigene Archiv wurde während des 2. Weltkriegs 1944 bei einem Bombengriff größtenteils zerstört, so dass der Weg der Sammlungsstücke ins Museum nur mit Hilfe von Recherchen in anderen Institutionen und Archiven annähernd nachzuvollziehen war. Dies führte zu einem ersten Austausch mit Händlern, Nachkommen und Institutionen in den Niederlanden, Frankreich und Südafrika. Dennoch lassen sich bislang viele Details nicht rekonstruieren. Das gilt leider vor allem für die Namen der lokalen Hersteller und Vorbesitzer. Die in der Ausstellung präsentierten Ergebnisse bleiben daher unvollständig, bilden aber einen Ausgangspunkt für weitere Forschungen.

 

Die in der Ausstellung gezeigten Objektgeschichten machen deutlich, wie wichtig eine langfristige Auseinandersetzung mit der eigenen Sammlung ist. Gleichzeitig wird klar, dass man bei der Aufarbeitung der Erwerbsgeschichten bzw. ihrer Provenienzen oft an Grenzen stößt und diese vielfach zu weiteren offenen Fragen führt.

 

Die Ausstellung findet im Rahmen der Kooperation »Gekauft. Gesammelt. Geraubt? Vom Weg der Dinge ins Museum« mit dem Historischen Museum Frankfurt, dem Museum Judengasse und dem Museum Angewandte Kunst statt, die bereits im Mai und Juni 2018 eigene Ausstellungen eröffneten.

 

Kuratiert von Julia Friedel (Kustodin Afrika-Sammlung) und Vanessa von Gliszczynski (Kustodin Südostasien-Sammlung).

 

Ahnenfigur, Nias, Indonesien. Ankauf bei Kunsthandel Aalderink, Amsterdam, April 1941. Sammlung Weltkulturen Museum; Bildquelle: Wolfgang Günzel

 

Ein indonesisches Fallbeispiel | Der Ankauf beim Kunstzaal van Lier

Der Kunstzaal van Lier in Amsterdam war eine der ersten Galerien in den Niederlanden, die zeitgenössische Kunst sowie Kunsthandwerk aus Asien und Afrika verkauften. Neben Ahnenfiguren, antiken Statuetten und Textilien stellte Galeriegründer Carel van Lier (1897-1945) auch zeitgenössische balinesische Gemälde und Skulpturen aus. Im April 1941 erwarb das Frankfurter Völkermuseum 61 Objekte zum Preis von 4.215 Gulden bei Carel van Lier, der aus einer jüdischen Familie stammte. Zu diesem Zeitpunkt führte van Lier die Geschäfte noch selbst. Im Juli 1942 musste er die Verwaltung an die Besatzungsmacht abgeben, bevor er im April 1943 deportiert wurde. Carel van Lier starb kurz vor Kriegsende im KZ-Außenlager Hannover- Mühlenberg. Aus den erhaltenen Geschäftsbüchern kann man ablesen, dass die frühen 1940er Jahre besonders umsatzstark waren. Wie die Ankaufssituation ablief und ob van Lier möglicherweise beim Verkauf der Objekte doch unter Druck gesetzt wurde und dann die Objekte unter Marktpreis verkaufte, lässt sich heute nur schwer rekonstruieren.

 

 

Ausstellungsdauer | »Gesammelt. Gekauft. Geraubt? Fallbeispiele aus kolonialem und nationalsozialistischem Kontext« | 16. August 2018 - 27. Januar 2019

 

Öffnungszeiten:  Di–So 11 bis 18 Uhr |  Mi 11–20 Uhr

 

Ort: Weltkulturen Labor, Schaumainkai 37, 60594 Frankfurt am Main

 

  

 

 

 

 

 

 

 

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