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medico international vor Ort in Zentralsulawesi (SULTENG)

»Eine Hilfe auf lange Sicht muss Katastrophenprävention durch Armutsbekämpfung einplanen«

 

Morgendliche Besprechung für Planung und Verteilung der Hilfe, Zentralsulawesi; Bildquelle: medico international

 

(medico, InMaOn) Nach den Erdbeben und dem Tsunami am 28. September 2018 stabilisieren sich die Abläufe für Hilfe auf der indonesischen Insel Sulawesi. Donggala, Palu und Sigi sind die am stärksten betroffenen Gebiete. Laut medico konsolidieren sich die Strukturen vor Ort, die unmittelbar nach dem Unglück aktiv wurden. Was gebraucht wird ist finanzielle Unterstützung.

 

Nothilfe-Referent Bernd Eichner von medico international befindet sich seit letzter Woche vor Ort und bestätigt die Einschätzung vieler indonesischer Stimmen, nach denen es keine Präsenz internationaler Akteure vor Ort bedarf. Sein Besuch dient auch der Rücksprache und weiteren Planung mit den medico-Partnerorganisationen. Dazu gehört das Menschenrechtszentrum Solidaritas Korban Pelanggaran HAM Sulawesi Tengah in der zerstörten Stadt Palu und das Bildungsinstitut MOSINTUWU in Poso, das zurzeit Großküchen für mehrere tausend Menschen unterhält. »Die indonesischen Kapazitäten sind ausreichend und es herrscht eine große Solidarität unter den Menschen. Es ist ratsamer, lokale Akteure an der Basis statt die Maschinerie internationaler Institutionen ohne Erfahrung vor Ort zu unterstützen«, rät Eichner.

 

 Freiwillige Helfer bringen Hilfsgüter an die Selbstverwaltungsposten, Zentralsulawesi; Bildquelle: medico international

 

Nach den Eindrücken von medico sind gerade die ärmeren Bevölkerungsgruppen am stärksten von der Naturkatastrophe betroffen. Deren oftmals nur rudimentär gebaute Häuser stürzten als erstes ein. Eine Hilfe auf lange Sicht muss daher Katastrophenprävention durch Armutsbekämpfung einplanen sowie eine Verringerung des Verfalls des Ökosystems, das zu den zerstörerischen Schlammlawinen führte.

 

Derweil hat die indonesische Katastrophenbehörde (BNPB) ausländischen Helfern ohne lokale Anbindung den Zutritt zu den Katastrophengebieten verwehrt. »Verständlich, denn es darf kein zweites Haiti passieren. Als externe Akteure das Land verließen und es schwächer als vor dem damaligen Beben zurückließen, weil sie öffentliche Aufgaben an sich rissen. Das Einfliegen ausländischen Personals ist ein komplett veralteter Ansatz«, kommentiert der Nothilfe-Referent. Er fügt hinzu: »Natürlich brauchen die Betroffenen Unterstützung. Jedoch gezielt nach deren Bedürfnissen. Konkret heißt das keine Sachspenden oder Hilfsgüter aus dem Ausland, sondern finanzielle Hilfe.» Alle Nahrungsmittel und Non-Food-Items können auf Sulawesi eingekauft werden.

 

Die Menschen auf Sulawesi versuchen, sich zu helfen so gut es möglich ist. Sie bauen dabei auf die Tradition der gegenseitigen Hilfe (gotong-royong) und der Selbstorganisation. medico international unterstützt die Selbsthilfe der Betroffenen und ruft zu Spenden auf.

 

Mitarbeiter von MOSINTUWU. Der medico-Projektpartner MOSINTUWU unterstützt 148 öffentliche Küchen. Dort können sich die Überlebenden versorgen und kochen. Neben dem Essen sind es wichtige Orte für Austausch, Selbstorganisation und um das Erlebte gemeinsam zu verarbeiten; Bildquelle: medico international

 

Kurz informiert | Am 28. September haben mehrere Erdbeben das Gebiet in Zentralsulawesi erschüttert. Ein Beben der Magnitude 7,4 löste einen lokalen Tsunami aus, der nachfolgend zu schweren Überflutungen führte. Es kam zu einigen Nachbeben. Die Katastrophe hat bisher über 2.000 Menschenleben gefordert und zu 4.600 Schwerverletzten geführt. Mehr als 80.000 Personen mussten ihr Zuhause verlassen. Häuser, Straßen und Brücken sind zerstört; ganze Siedlungen verschwanden in wenigen Sekunden vom Erdboden, weil der Boden sich verflüssigte. Auch 20 Erste-Hilfe-Einrichtungen sind beschädigt. Nach UN-Angaben sind schätzungsweise rund 200.000 Menschen von Nothilfemaßnahmen im Katastrophengebiet betroffen. Der Bedarf an humanitärer Hilfe ist nach wie vor groß. Weitere offizielle Angaben sind auch auf den laufend aktualisierten Seiten der indonesischen Katastrophenschutzbehörde (BNPB) nachzulesen.

 

 

Hilfe für Sulawesi

Verschiedene Hilfsnetzwerke und Einzelorganisationen engagieren sich im Verbund mit lokalen Akteuren und Partnern in der Krisenregion Zentralsulawesi. Informationen und Nachrichten über deren Aktivitäten in der humanitären Hilfe sowie Spendenaufrufe sind unter anderem über die Plattformen der drei größeren Bündnisse abzurufen:

 

Bündnis Entwicklung Hilft

Aktion Deutschland Hilft

Aktionsbündnis Katastrophenhilfe

 

Für weitere Auskünfte über die Arbeit und Seriosität von Spendenorgansiationen ingibt es auch die Möglichkeit das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) zu kontaktieren. Das Institut vergibt unter anderem das »DZI Spenden-Siegel« als Zeichen besonderer Förderungswürdigkeit. Das DZI verfügt auch über eine Liste zur Spenden-Info »Tsunami Sulawesi«.  


Die Bundesregierung hat 1,5 Millionen Euro Soforthilfe bereitgestellt und sich mit Ausrüstung (Stromaggregate) des Technischen Hilfswerks (THW) eingebracht. 

 

Auch die Weltbank will beim Wiederaufbau helfen und hat Indonesien inzwischen einen Kredit von bis zu einer Milliarde US-Dollar in Aussicht gestellt. Laut Weltbank-Geschäftsführerin Georgieva werde das Geld freigegeben, sobald die indonesischen Behörden den Bedarf besser einschätzen könnten.

  

Indonesien Magazin Online

 

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