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Comic-Szene

Impressionen aus dem Comic-Universum:

ein Rückblick in Wort und Bild

 

Anlässlich der bevorstehenden Frankfurter Buchmesse lohnt es sich, eine kleine Rückschau auf eine noch wenig bekannte Szene zu wagen – die Comic-Kultur Indonesiens.

InMaOn / JH

  

Beng Rahadian und Aji Prasetyo, Frankfurter Buchmesse 2015; Bildquelle: Jörg Huhmann

  

Bisher war die indonesische Comicszene nur bekennenden Comicfans ein Begriff und wurde hierzulande kaum wahrgenommen. Vor genau einem Jahr, im Oktober 2015, gab es dann für Interessierte die Möglichkeit, hautnah, mehr darüber zu erfahren – im Rahmen des Ehrengastauftritts Indonesiens auf der Frankfurter Buchmesse.

 

Eine Auswahl an Comic-Künstlern hatte die Gelegenheit sich erstmals einem größeren und breiten Publikum in Deutschland vorzustellen. Unter den etwa 75 eingeladenen Gästen der Literaturszene Indonesiens mischten sich 10 kreative Köpfe der indonesischen Comic-Szene – 2 Frauen und 8 Männer.

 

»The island of images«, so nannte sich eine der 7 Bühnen, bot spezielle Veranstaltungen rund um die Comic-Kunst. Besucher hatten die Möglichkeit beim »Comic-Jamstrip«, der »Battle of the Comic Soul Mates«, einem kulturübergreifenden »gemischten« Wettstreit, wo Comic-Künstler aus Indonesien und aus Deutschland gegeneinander antraten und anderen Comic-Wettstreits, Spontanität, Scharfsinn, Fingerfertigkeit und Kreativität der Künstler zu bestaunen.

 

Erstmals gab es auch eine größere Auswahl an übersetzten Werken aus der indonesischen Comicszene verschiedener Stilrichtungen zu bestaunen – vom Mahabharata-Epos über furchtlose moderne indonesische Superhelden, Manga-Charaktere, aber auch Alltagsgeschichten, sogenannte »graphic diaries« und sogar Werke, die Tabuthemen und politischen Humor abbildeten.

 

 

Die Licht- und Rauminstallationen beim Gastauftritt Indonesiens auf der Frankfurter Buchmesse 2015 im Gastland-Pavillion. Sie stellten eine besondere visuelle Attraktion dar. Das Gestaltungskonzept des Architekten Muhammad Thamrin und dem Design- und Architekturteam des Ehrengasts: »Sieben Inseln«, die einladen sollten, die Vielfalt des weltgrößten Archipels auf unterschiedliche Art zu entdecken.
Bildquelle: Jörg Huhmann
Eine dieser sieben Inseln war die »island of images«, dort wo sich der indonesische Comic in Form von Performances, Animationen, Bücherdisplays und Gesprächsrunden präsentierte.
Bildquelle: Jörg Huhmann
Büchertische mit indonesischen Comics in der »island of images«, darunter erstmals eine größere Auswahl an übersetzten Werken verschiedener Stilrichtungen (20 Übersetzungen in deutscher Sprache).
Bildquelle: Jörg Huhmann
Akteure der indonesischen Comicszene, v.l.n.r.: Heryani (Errie) Wahyuningrum, Aji Prasetyo, Muhammad 'Mice' Misrad, Kharisma Jati, Beng Rahadian, Hikmat Darmawan, Iwan Gunawan.
Bildquelle: Jörg Huhmann
Installation; in Indonesien auch als »Praxinoscope« bezeichnet (Bilder auf einer drehbaren Trommel, auch Zoetrop genannt). Hier wurden im Wechselspiel von Licht und Bewegung unterschiedliche Stationen und Besonderheiten der indonesischen Comic-Geschichte aufgezeigt.
Bildquelle: Jörg Huhmann
Indonesische Comic-Künstler (Bild oben links: Beng Rahadian, Aji Prasetyo Muhammad 'Mice' Misrad, Kharisma Jati mit dem Moderator Hikmat Darmawan) präsentierten sich in einem besonders temporeichen und witzigen Veranstaltungsteil am Zeichenpult, besser als »Comic Jamstrip« oder »Comic Battle« bekannt. Eine spontane Aktion bei der zwei Teams von je zwei Künstlern gegeneinander antreten. Jeder der Akteure eines Teams hat einen »Auftrag« durch Zeichnen eines Panels, danach ist der jeweilige Partner an der Reihe und so weiter. Comics können am Ende durch nur zwei Panels, aber auch viele kleine Panels, erstellt werden. Jedes Team legt das selbst fest. In jedem Fall gibt es am Ende zwei unterschiedliche Comics »on the spot«.
Bildquelle: Jörg Huhmann
Start eines Comic Jamstrips mit den Künstlern Beng Rahadian und Aji Prasetyo. In der Regel gibt es Zeitvorgaben für den Comic Jamstrip, von z.B. 2 Minuten. Der zu zeichnende Comic wird durch eine Themenvorgabe, oft durch das anwesende Publikum, festgelegt. Das Thema hier: »Lunch in Frankfurt«.
Bildquelle: Jörg Huhmann
Kharisma Jati und Muhammad 'Mice' Misrad beim »jammen«. In der Regel treten beim Comic-Jamstrip Künstler verschiedener Stilrichtungen gegeneinander an. Ausgehend von der gleichen Idee schaffen sie unterschiedliche Bilderreihen, in einem Zusammenspiel aus Scharfsinn, Fingerfertigkeit und Kreativität.
Bildquelle: Jörg Huhmann
Die zahlreichen Darstellungen auf dem »Praxinoskop« erinnerten auch an den sehr populären Comic-Künstler Taguan Hardjo, einen niederländisch-javanischen Immigranten aus Surinam, der während seiner Schaffenszeit in Medan lebte. Er hat viele Charaktere enstehen lassen und wurde vor allem durch seine Zeichenkunst bekannt. In Fachkreisen wird ihm eine besondere Bedeutung bei der Entwicklung des »illustrierten Romans / Roman in Bildern« beigemessen. Bereits 1962 beschreibt der legendäre Künstler seinen Comic »Morina« auf dem Cover als »Roman in Bildern« (nopel bergambar). Damit war er der Einführung des Begriffs »Graphic Novel» durch Will Eisner 1978 weit voraus.
Bildquelle: Jörg Huhmann
Die Comiclandschaft Indonesiens wird nicht nur von Männern besetzt. Zwei weibliche Protagonistinnen der jüngeren Generation beleben die Szene: Zum einen, Tita Larasati, die mit ihren Tagebuchcomics das neue Genre der »Graphic Diaries« in Indonesien kreierte. Ihr Alltagsleben, während eines Studienaufenthaltes in den Niederlanden, bildete den Ausgangspunkt für skizzenhafte Bildergeschichten. Entstanden sind diese in erster Linie, um den Kontakt zu ihrer Familie nach Indonesien zu halten. Es folgte die Version »curhat Tita« (Tita erzählt ihre Geschichten) im Jahr 2008 …
Bildquelle: Jörg Huhmann
… zum anderen ist da Sheila Rooswitha Putri, auch unter ihrem Spitznamen Sheila Lala bekannt, ein weiterer starker weiblicher Charakter der neuen, lebendigen Comic-Szene. Auch sie steht für den Erzählstil der »Graphic Diaries«, zeichnet Alltags- und Familiengeschichten, und geht nie ohne ihr Skizzenbuch aus dem Haus. Heute ist sie eine der populärsten Künstlerinnen in diesem Bereich. Auf ihrer Facebookseite »Sheila´s Playground« skizziert sie ihre täglichen Erfahrungen und Eindrücke im indonesischen Großstadtdschungel nach.
Bildquelle: Jörg Huhmann
Bereits Ende der 90er Jahre tauchte eine neue experimentierfreudige Community im Comicuniversum Indonesiens auf, vor allem in Jakarta, Yogyakarta und Bandung. Ihre Werke entstanden unter dem Label »Underground Comic« und »Indepenedent Comic«. Auf der Buchmesse 2015 gab es einen facettenreichen Einblick in diese Szene, und in andere historisch bedeutsame Phasen der indonesischen Comickultur – es referierten Hikamt Darmawan, Kulturjournalist, Gründer von pabrikultur und Mitbegründer der Künstlergemeinschaften Musyawarah Burung und der Akademi Samali sowie Iwan Gunawan, Director des Postgraduierten-Programms »Urban arts and Cultural Industry« am Jakarta Institute of the Arts (IKJ) und Comic-Enthusiast; Bildmitte: Moderatorin Roswitha Recker.
Bildquelle: Jörg Huhmann
Bei dem Event »Battle of the Comic Soul Mates«, einem kulturübergreifenden Wettstreit, traten zwei gemischte Teams aus Indonesien und Deutschland gegeneinader an, bestehend insgesamt aus je 3 Künstlern. Spontanität ist gefragt, denn die Kontrahenten müssen anhand eines zufällig ausgefällten Themas ihr Können unter Beweis stellen. Alle Teammitglieder arbeiten gleichzeitig an einem Comic, das sich in verschiedene Panels aufteilen kann; Team1: Sheila Rooswitha, Is Yuniarto, Till Laßmann; Team 2: Aji Prasetyo, Maria Karipidou, Stephan Lomp,
Bildquelle: Jörg Huhmann
Ein weiterer »gemischter« Wettstreit am Zeichenpult, mit 6 Comic-Künstlern, je 3 aus Indonesien und 3 aus Deutschland: v.l.n.r.: Muhammad ‘Mice‘ Misrad , Beng Rahadian, Stephan Lomp, Maria Karipidou, Till Laßmann, Tita Larasati.
Bildquelle: Heryani (Errie) Wahyuningrum

 

 

 

Kurzinfo | CERGAM: Der indonesische Comic ist keine kreative Erscheinungsform der letzten Jahrzehnte. Die Ursprünge und Anfänge des indonesischen Comics reichen bis weit in die Zeit vor der Unabhängigkeit 1945 zurück, damals vor allem illustriert in Zeitungen.

Wer sich mit der historischen Entwicklung der indonesischen Comic-Kultur beschäftigt, stößt dabei häufig auf den Begriff cergam, ein Akronym für cerita (Geschichte) gambar (Bild). Indonesier stehen auf Akronyme. Der Terminus vereint Aspekte von bildender Kunst und Text – eine oft facettenreiche, kreative Mischung verschiedener Stilelemente.

 

 

 

 

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