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Goldsammlung aus Java

Ein Goldschatz in der Mainmetropole

 

Seit vielen Jahren schlummert ein Goldschatz im Depot des Weltkulturen Museum Frankfurt am Main. Diese einzigartige Sammlung aus dem alten Java wurde vor mehr als 100 Jahren von deutschen Reisenden zusammengetragen. Sie stammt aus der hindu-buddhistischen Periode und ist damit mehr als 600 Jahre alt.

von Mai Lin Tjoa-Bonatz 

 

 

Die Detailaufnahme dieses Ohrrings der ostjavanischen Periode (1300–1500 n.u.Z.) zeigt die hohe Kunstfertigkeit des Goldschmiedehandwerks: Granulierung und Wickeltechnik, Sammlung: Weltkulturen Museum, Frankfurt am Main; Bildquelle: Weltkulturen Museum

 

 

 

Die größte und reichste Goldsammlung zu Java in Deutschland

 

Der größte Teil dieses Schatzes von insgesamt 207 Gold- und Silberobjekten stammt vom Ornithologe Ernst Prillwitz, der auf seiner Studienreise auf Madura, Java und Ostindonesien von 1927 bis 1928 vorrangig Schmuck gesammelt hat. Er hat frühzeitig die kulturgeschichtliche Bedeutung dieser Preziosen erkannt, da er hochwertig verarbeitete Stücke mit komplexen Motiven erworben hat.

 

Auch heute noch ist die Sammlung einzigartig in Deutschland. Kein anderes deutsches Museum repräsentiert altjavanisches Gold in diesem Umfang und in dieser außergewöhnlichen Vielfalt. Der Schatz reicht von Schmuck wie Ohr- und Fingerringen, Reifen, Ketten, Anhängern bis zu Gebrauchs- oder Kultobjekten wie eine Statuette oder ein Messergriff. Die reiche künstlerische Ausgestaltung und die ausgefeilten Handwerkstechniken machen diese Objekte zu herausragenden Beispielen der Goldschmiedekunst der frühen historischen Epoche, die als das »Goldene Zeitalter« Javas im 8.–15. Jahrhundert bezeichnet wird. Gold im alten Java war allgegenwärtig, hochgeschätzt und hatte ganz unterschiedliche Funktionen: Goldringe zum Beispiel waren nicht nur schmückendes Beiwerk und Statussymbol für einflussreiche Persönlichkeiten, sondern dienten auch als Zahlungsmittel, wurden als Siegel oder für Steuererlasse verwendet.

 

Eine einzigartige Studiensammlung

 

Der alte Museumsbestand erhält heute einen umso wichtigeren Stellenwert als gesicherte Referenzsammlung, da seit den 1980er Jahren vermehrt Fälschungen auf dem Kunstmarkt angeboten werden. Die Frankfurter Sammlung bildet einen wichtigen Hilfsapparat für verschiedene Wissenschaftsdisziplinen: Kunsthistoriker haben die Möglichkeit unterschiedliche Stile und Motive zu studieren, Anthropologen interessieren sich für den Funktionszusammenhang der Objekte und Naturwissenschaftler stellen materialanalytische und handwerkstechnische Untersuchungen an. So ermöglicht dieser einzigartige Goldfund, nicht nur kultur- und handelsgeschichtliche Schlüsselinformationen zum frühen Indonesien aufzudecken, sondern auch manche der Geheimnisse, die zum Aufschwung des Goldschmiedehandwerks Javas geführt haben, zu entschlüsseln.

 

Vielfalt an Formen, Motiven und Stilen

 

Die Objekte in der Mainmetropole gehören unterschiedlichen Epochen an. Schmuck wie umwickelte Fingerringe, Ohrringe in Form von Sternen oder Scheiben gibt es bereits seit der Frühgeschichte in Südostasien. Scheibenringe wurden seit den Anfängen der Goldherstellung bereits im späten ersten Millennium vor unserer Zeitrechnung in dieser Region hergestellt, u.a. in Bali oder Kambodscha, wo das Deutsche Archäologische Institut ausgegraben und geforscht hat. Andere Ringtypen verweisen auf weitreichende maritime Handelsbeziehungen im indopazifischen Raum oder auf direkte Einflüsse aus Westasien entlang der maritimen Seidenstraße. Ähnliche Ringtypen wurden auf dem Festland Südostasiens und auf anderen Inseln des indonesischen oder philippinischen Archipels gefertigt. Hierzu gehören Siegelringe, Ringe in Büffelhorn-Form, Anhänger, gegossene Ohr- und Fingerringe mit symbolträchtigen Motiven, die von hindu-buddhistischen Vorbildern im 8.–15. Jahrhundert zeugen (Abb. 1). Sehr viele der anspruchsvollsten Stücke in der Frankfurter Sammlung stammen aus der späten ostjavanischen Periode (1300–1500 n.u.Z.) und bilden den Höhepunkt des Goldschmiedehandwerks auf Java wie dekorative Ohrgehänge mit fantastischen Tiergesichtern oder Wickelringe mit Steinfassung (Abb. 2). Einige wenige Silberringe in der Sammlung sind wohl erst in der islamischen Periode als nach dem 15. Jahrhundert entstanden.

 

Naturwissenschaftliche Untersuchungen

 

Gold ist chemisch nicht zu datieren, aber verschiedene chemische Laboruntersuchungen eröffnen weitere Analysemöglichkeiten, Legierungsgruppen und die Zusammensetzung der Spurenelemente zu bestimmen. Letzteres ist sozusagen ein „Fingerabdruck“, der einen Herkunfts- oder Verarbeitungsort unverkennbar auszeichnet und mittels einer Laser-Spektrometrie (LA-ICP-MS) ermittelt wird. Röntgenfluoreszensanalysen (EDRFA) haben gezeigt, dass Java-Gold aus einer Legierung von Gold, Silber und Kupfer besteht, die aber nach Herstellungstechniken, Farbwahl und Objektgruppen unterschiedliche Verhältnisse aufweist. Mikroskopische Aufnahmen ermöglichen weitere Rückschlüsse auf die Goldschmiedearbeiten.

 

Zu historischen Perioden Südostasiens liegen bisher nur wenige chemische Berichte vor. In den 1990er Jahren wurden einige Goldobjekte in Berlin chemisch untersucht, die allerdings aus ungesicherter archäologischer Provenienz stammen. Die Zusammenarbeit von Kunsthistorikern und Naturwissenschaftlern ist daher wichtig, um neue Analysemöglichkeiten zu erproben und Authentizitätsfragen aus mehreren Perspektiven zu klären.

 

Gender und Goldschmuck

 

Männer, Frauen und Kinder am javanischen Hof haben reichen Goldschmuck getragen: Ohr- und Haarornamente, Ketten und Gürtel, Ringe an den Fingern und Zehen, Arm-, Fußbänder oder Oberarmspangen. Es gab sogar goldene Keuschheitsplaketten für beide Geschlechter. Dennoch lassen sich geschlechtsspezifische Unterschiede über die Jahrhunderte nachweisen. Ein Aristokrat im 15. Jahrhundert trug einen vergoldeten Degen, einen Kris, Frauen dagegen eher ein Diadem. In der Majapahit Periode (13.-15. Jh.) waren sogar weibliche Bedienstete am Hof mit einer Halskette geschmückt, nicht aber männliche. Der Schönheitskult um Frauen, der in literarischen Werken überliefert ist, dreht sich maßgeblich um den Glanz des Goldes und Edelsteine, sodass sie selbst als wertvolle Juwelen galten und ihr nobles Aussehen mit der Glut frisch gegossenem Goldes gleichgesetzt wurde.

 

Es bleiben Fragen und Rätsel

 

Dennoch bleiben viele Fragen offen: Wem gehörten die Goldobjekte? Wurden sie von Männern oder Frauen getragen? Welchen Zweck erfüllten sie? Und schließlich: Warum und woher hat Ernst Prillwitz diesen Goldschatz zusammengetragen? In Indonesien wurde Gold über Generationen als hochgeschätzte Erbstücke weitergereicht, anderes wurde vergraben und später als archäologische Fundstücke geborgen, wieder anderes wurde eingeschmolzen, als es unmodern wurde. Wir wissen noch viel zu wenig über die Sammlungshintergründe und dem kulturellen Hintergrund von altjavanischem Gold.

 

Das Museum ist zwar interessiert, den momentan im Magazin gelagerten Goldschatz näher zu bearbeiten, aber leider fehlt es bislang an Zeit und finanzieller Unterstützung: »Natürlich wäre es wünschenswert alle Sammlungsgeschichten aufzuarbeiten, und wir sind da auch immer wieder dran, allerdings anlassbezogen. Oft fehlt es uns an der Zeit, die Hintergründe der Sammler zu recherchieren«, so Vanessa von Glisczynski, Kustodin für Südostasien am Weltkulturen Museum Frankfurt am Main.

 

Gold währt ewig. Über die Jahrhunderte hat sich eine wichtige Goldsammlung aus Java in Deutschland erhalten, die uns weitreichende Informationen zur frühen Kultur- und Sozialgeschichte Indonesiens offenbaren kann. Eine Förderung zu Forschungszwecken ist daher dringend erforderlich, damit sich die Wissenschaftswelt endlich intensiver mit diesem spektakulären Goldschatz beschäftigt und einige seiner Rätsel lösen kann.

 

Der gegossene Goldohrring ist nur 2,7 cm groß und zeigt aber mit vielen Details ein fantastisches Mischwesen mit Rüssel, Stoßzähnen und Kopfputz, Ostjavanische Periode, 1300–1500 n.u.Z.; Sammlung: Weltkulturen Museum, Frankfurt am Main.
Bildquelle: Weltkulturen Museum
Fingerring mit einer vierblättrigen eingravierten Blume auf sechseckigem Ringkopf; Sammlung: Weltkulturen Museum, Frankfurt am Main.
Bildquelle: Weltkulturen Museum
Die Detailaufnahme dieses Ohrrings der ostjavanischen Periode (1300–1500 n.u.Z.) zeigt die hohe Kunstfertigkeit des Goldschmiedehandwerks: Granulierung und Wickeltechnik; Sammlung: Weltkulturen Museum, Frankfurt am Main.
Bildquelle: Weltkulturen Museum
Fingerring der zentraljavanischen Periode, 700–1300 n.u.Z mit dem Sri-Schriftzeichen: Die an Büffelhörner erinnernde Ringform ist in ganz Südostasien anzutreffen; Sammlung: Weltkulturen Museum, Frankfurt am Main.
Bildquelle: Weltkulturen Museum
Besichtigung der Goldobjekte im Museumsdepot: Sammlungskustodin für Südostasien Vanessa von Gliszczynski (rechts) mit der Autorin.
Bildquelle: Mai Lin Tjoa-Bonatz
Ein Ohrpflock aus Gold mit granuliertem Dekorrand aus Java: Die Goldobjekte sind wertvoll aber winzig. Manche Details sind nur mit dem Mikroskop zu sehen.
Bildquelle: Mai Lin Tjoa-Bonatz
Sogenannter »Bird Ring«: Diese Bezeichnung hat sich eingebürgert, da man lange annahm, dass diese winzigen Ringe von Vögeln getragen wurden. Es ist eher wahrscheinlich, dass diese Goldornamente als Haar- oder Ohrschmuck dienten; Sammlung: Weltkulturen Museum, Frankfurt am Main.
Bildquelle: Weltkulturen Museum

 

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