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Von Ostindien über Indonesien bis zu den Philippinen und Taiwan

You Can Leave Your Head On – Seelenwanderung asiatischer Ethnien

 

Installationsansicht der Ausstellung; Bildquelle: IFICAH 

 

(InMaOn) Nach dem wochenlangen Corona-Lockdown haben mittlerweile auch Museen und Galerien wieder geöffnet. Seit Anfang Mai 2020 können Interessierte die neue Ausstellung »You Can Leave Your Head On – Seelenwanderung asiatischer Ethnien«, im stiftungseigenen Museum von IFICAH (International Foundation of Indonesian Culture and Asian Heritage) in Hollenstedt, besuchen.

 

Leben und Tod, der ewige Kreislauf des Vergänglichen als Voraussetzung für etwas Neues, ist in vielen Gesellschaften ein Tabu. Es gibt aber Volksgruppen, in welchen der Tod seit Generationen ein ständiger und selbstverständlicher Bestandteil des Lebens und des Alltags war und immer noch ist. Die Stiftung IFICAH widmet sich in ihrem aktuellen Projekt exemplarisch sechs dieser Volksgruppen in Asien, von Ostindien über Indonesien bis zu den Philippinen und Taiwan. Im Museum für Asiatische Kultur wird eine umfangreiche Auswahl von bislang nicht veröffentlichten Objekten vorgestellt.

 

Blick in die Ausstellung, Eingangsbereich; Bildquelle: IFICAH  

 

»Die aktuelle Ausstellung beschäftigt sich mit einem Thema, welches wohl niemanden unberührt lässt: die Sitte der Kopfjagd. Die Ausstellung macht allerdings klar, dass die Kopfjagd nicht das ist, was sie zu sein scheint, nämlich eine Trophäenjagd der grausigen Art. Wer Schädeltrophäen oder wilde Krieger mit spektakulären Rüstungen sucht ist hier falsch. Denn bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass die Kopfjagd eine ganz andere, viel tiefere Bedeutung hat. Sie war früher in den meisten Teilen der Welt, von Europa über Asien bis nach Amerika verbreitet und in manchen Regionen noch bis ins 20. Jahrhundert gebräuchlich. Die Ausstellung behandelt exemplarisch sechs Ethnien aus Ostindien, über Indonesien bis zu den Philippinen und dem heutigen Taiwan.

 

In Abenteuerromanen und Berichten von Weltreisenden aus früherer Zeit wird vielfach erwähnt, dass die „Eingeborenen“ „Kopfjäger“ seien und mit den abgeschlagenen Köpfen ihrer Feinde deren Kraft übernähmen. Das stimmt – aber eben nur bedingt. Die Frage ist nämlich: was bewegte diese Menschen zu einer solch schauderhaften Handlung? Was waren die Ziele dabei? Sind, oder waren, sie brutaler oder „unmenschlicher“ als wir? Sicher nicht, im Gegenteil! Denn die Ausstellung zeigt, dass die Motivation der Kopfjagd letztlich gar nicht so unterschiedlich ist von dem, was wir „aufgeklärten“ Menschen anstreben und erhoffen; nämlich, in die unerbittlichen Kreisläufe von Werden und Vergehen eingreifen zu können. Die Vorstellung ist dabei: jeder Mensch hat ein bestimmtes Lebenspotenzial, das mit dem durch eine höhere Gewalt bestimmten Tod endet. Wenn das Leben aber beabsichtigt beendet wird, kann diese Lebensenergie, die dann quasi „übrig“ ist, der eigenen Gemeinschaft zugeführt werden. Dabei müssen die Seelen ins Jenseits wandern und durch mutige Krieger und Helden von dort wieder zurückgeholt werden. Wir kennen „im Westen“ genau dieselben mythischen Zusammenhänge. Jenseitsreisen, Selbstopferung und das Zurückkehren aus dem Jenseits, oder dem Bauch eines Ungeheuers, das die Jenseitswelt verkörpert, mit neuem Leben und Hoffnung beladen, ist die große Aufgabe vieler allseits bekannten Götter, Propheten, Helden und Heldinnen, von Herkules bis zu Rotkäppchen.

 

Die in der Ausstellung gezeigten Objekte gruppieren sich um die Thematik Geburt und Tod, die in den plastischen Arbeiten wie der Bestattungsurne und den Grabstelen zum Ausdruck kommt. Man erkennt Drachen und Echsen, stellvertretend für die Erd-Gottheiten, die für Tod, aber somit auch für Leben zuständig sind. Man sieht Weltenbäume als Symbol der Weltordnung in Götter-, Menschen- und Unterwelt und Schiffe als Transportmittel für die Seelen. Eine Reihe von Exponaten, wie Schmuck und Klingen, hat die gesellschaftliche Ordnung und das soziale Gefüge zum Thema, Grundlage der Festivitäten und Rituale, innerhalb derer das Leben und der Tod eine so wichtige Rolle spielte. Anhand von Abbildungen international anerkannter Fotografen werden Menschen präsentiert, bei denen auch heute noch der Umgang mit Verstorbenen auch im Rahmen von Zweitbestattungen kein Tabu darstellt, sondern einen selbstverständlichen Bestandteil der lebenden Kultur beinhaltet.

 

Die Ausstellung gemahnt daran, dass wir Menschen überall gleich geartet sind. Wir sehen unsere Hoffnung darin, dass alles beeinflusst werden kann, bis hin zum Leben selbst. Letztlich steht auch die christliche Heilslehre damit in direktem Zusammenhang: Jesus hat das Opfer, die eigene Tötung und die Reise ins Jenseits auf sich genommen und die Menschheit damit dieser unerlässlichen Pflicht enthoben.« Text IFICAH

 

 

 

Installationsansicht der Ausstellung; Bildquelle: IFICAH   

 

 

Ausstellungsdauer | »YOU CAN LEAVE YOUR HEAD ON – Seelenwanderung asiatischer Ethnien« | bis Dezember 2020

 

Öffnungszeiten | nach Voranmeldung | Der Ausstellungsbesuch ist kostenfrei.

 

Sonstige Hinweis für Besucher | Die Ausstellung kann nach Terminabsprache in kleinen Gruppen besichtigt werden, selbstverständlich unter Einhaltung der vorgeschriebenen Corona-Maßnahmen.

 

Grundsätzliches: Regelungen und Maßnahmen der Umsetzung, die einen Besuch und den Aufenthalt in einem Museum / Galerie betreffen, können je nach Bundesland variieren. Bitte informieren Sie sich vorab auf den Seiten der Dienstleister oder fragen direkt nach!

 

Kontakt | 04165/ 2217475 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Ausstellungsort: ificah Museum für Asiatische Kultur, Am Ahrensberge 2, 21279 Hollenstedt

 

 

Anmerkung: Indonesien Magazin Online wird in den kommenden Wochen näher auf einzelne Abschnitte des indonesienbezogenen Teils der der Ausstellung »You Can Leave Your Head On – Seelenwanderung asiatischer Ethnien« eingehen. 
 

 

ificah Museum; Bildquelle: Günther Heckmann

 

Hintergrund | IFICAH

IFICAH ist eine im Jahr 2014 aus privater Hand gegründete gemeinnützige Stiftung zur Erforschung indonesischen und japanischen Kulturgutes, welches als immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe oder als nationales Kulturgut ausgewiesen ist.

Im stiftungseigenen IFICAH Museum für Asiatische Kultur werden Grundinformationen und Objekte zu wechselnden Themen präsentiert. Sonderausstellungen sollen die hohe Kunst der indonesischen Kultur vertiefen und visualisieren. Der Besucher kann im angegliederten Medienraum seinen Eindruck durch Videos und die interaktive Animation von Objekten gezielt vertiefen.

Ein wichtiger Teil der Stiftungsarbeit ist, neben den Ausstellungen im hauseigenen Museum, die Forschung und der Wissenstransfer mit internationalen Experten und Institutionen.

Als eine Art offene Plattform für den fachlichen Transfer auf internationaler Ebene können sowohl der interessierte Laie wie auch der akademisch ausgebildete Experte ihre Interessen und Erfahrungen bei IFICAHvertiefen, austauschen und zur Diskussion stellen. 

 

 

 

Indonesien Magazin Online

 

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