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»Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode«
Mittwoch, 30. Januar 2019, 10:00am - 06:00pm

Abbinden von Garn vor dem ersten Färben, Flores, Ostindonesien, Bildquelle: RJM / © E. Kortkamp/G. Heinrichs

 

 

»Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode« eine Ausstellung im Rautenstrauch-Joest-Museum - Kulturen der Welt (RJM)

  

Wie kann es sein, dass ein T-Shirt heute weniger kostet als ein großer Kaffee, ein Kleid so viel wie ein Eisbecher, eine Hose so viel wie ein Kinoticket? Und was erzählt der Preis über das Leben der Menschen, die diese Kleidung herstellen? »Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode« wirft einen kritischen Blick hinter die Kulissen der globalen Textilindustrie und will dazu anregen, sich engagiert mit dem Thema Mode-Konsum und seinen sozialen und ökologischen Folgen zu beschäftigen. Konzipiert wurde die Ausstellung im Jahre 2015 vom Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg vor dem Hintergrund der Großbrände in Textilfabriken in Pakistan und Bangladesch.

 

Als Gegenmodell zur Fast Fashion gewinnt die »Slow Fashion«-Bewegung zunehmend an Bedeutung. ProduzentInnen und KonsumentInnen bemühen sich hier um mehr Verantwortung und Respekt gegenüber Menschen, Rohstoffen und Umwelt. Doch es geht nicht allein um die schonende Herstellung und Auswahl von teilweise äußerst seltenen und kostbaren Rohstoffen, um ihre kunstfertige Verarbeitung, um faire Entlohnung und fairen Handel. Es geht auch um kulturelle Identitäten und Traditionen, um selten gewordene Handwerkskunst und um alternative Ansätze für ein sozial nachhaltiges Wirtschaften. Der zweite Teil der Ausstellung zum Themenkomplex Slow Fashion ist aus Sammlungsobjekten des RJM zusammengestellt. Hier werden auch Objekte gezeigt, die bisher noch nie gezeigt wurden – unter anderem ein extra für die Ausstellung restauriertes Webgerät von der Insel Sumba.

 

Sonja Mohr / RJM

 

Atun, Mitarbeiterin der Batikmanufaktur Haryani Winotosastro in Yogyakarta, Zentraljava, trägt nach dem ersten Färben erneut Wachs auf; Bildquelle: RJM / © Brigitte Willach, Hannover 2004

 

 

Unter den vorgestellten alternativen Ansätzen zur Fast Fashion im zweiten Teil der Ausstellung finden auch Textilien aus dem indonesischen Kulturraum Beachtung:

 

Die Kunst des Färbens – Ikat aus Indonesien

Der Begriff Ikat bedeutet »binden, umwickeln«. Er bezeichnet eine Technik, bei der ein Muster nicht auf einem fertigen Stoff angelegt wird, sondern bereits auf dem zum Weben bestimmten Garn. Das Garn wird vor dem Weben bündelweise zusammengefasst, abge-bunden und dann eingefärbt. Dabei behalten die abgebundenen Stellen ihre ursprüngliche Farbe. Bei mehrfarbigen Textilien muss dieser Arbeitsschritt für jede Farbe angepasst und wiederholt werden. Das Färben bedeutet einen enormen Arbeitsaufwand, der Wochen, Monate und manchmal sogar Jahre dauern kann. Das Weben selbst nimmt wiederum mehrere Wochen in Anspruch. Die Herstellung eines Ikat-Textils erfordert nicht nur viel Geduld, sondern auch ein äußerst komplexes Wissen und damit einen langen Lernprozess. Das Kunsthandwerk ist in Indonesien sehr verbreitet, aber auch in anderen Teilen Asiens, in Afrika und Lateinamerika gibt es Ikat-Weberei. In unserer Ausstellung konzentrieren wir uns auf Ostindonesien, wo Ikat-Textilien eine wichtige Rolle spielen, insbesondere als prestige-trächtige Kleidung und als Gabe bei Hochzeiten oder Begräbnissen. Durch die Bedeutung der Stoffe im gesellschaftlichen Leben genießen auch die Kunsthandwerkerinnen hohes Ansehen.

 

Kulturelle Identität Batik aus Indonesien

Auf der indonesischen Insel Java hat die Batik-Kunst eine lange Tradition. Insbesondere Frauen an den Fürstenhöfen hatten die zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten die aufwendige Technik zu perfektionieren und entwickelten Hunderte komplexer Muster. Ein Muster entsteht, indem es mit flüssigem Wachs auf ein Textil gezeichnet wird. Anschließend wird das Textil eingefärbt. Die mit Wachs bedeckten Bereiche nehmen die Farbe nicht an. Um ein mehrfarbiges Muster aufzubringen, muss der Wachsauftrag für jede Farbe angepasst und das Textil erneut gefärbt werden. Je nach Größe des Textils und Komplexität des Musters kann ein solcher Prozess Wochen, in manchen Fällen auch Monate dauern. Am 2. Oktober 2009 hat die UNESCO handgemachte Batik aus Indonesien zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt. Aufgrund der Technik, die von Generation zu Generation weitergegeben wird, sowie der Symbolik und der Bedeutung im Leben der Menschen, gilt das Kunsthandwerk als wichtiger Teil der kulturellen Identität. So gibt es zum Beispiel Muster fu?r unterschiedlichste gesellschaftliche Anlässe. Der 2. Oktober wird als »Tag der Batik« mit einem breiten Programm gefeiert – natürlich in Batik-Kleidung. Auch an Freitagen tragen insbesondere RegierungsrepräsentantInnen und -angestellte sowie Studierende Batik-Kleidung.

 

 

 Key Visual © RJM 2018

 

Ausführlichere Informationen zur Ausstellung, Veranstaltungshinweise und allgemeinen Museumsinfos auch unter Fast-Fashion-Die-Schattenseiten-der-Mode

 

Ausstellungsdauer: 12. Oktober 2018 bis 24. Februar 2019

 

 

Öffnungszeiten | Di – So  10 – 18 Uhr; Do  10 – 20 Uhr | jeder 1. Do im Monat bis 22 Uhr |  Mo geschlossen

 

 

 

Ausstellungsort: Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt, Cäcilienstraße 29-33, 50667 Köln

                        

 

 

 

 

Indonesien Magazin Online

 

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