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Goldland Indonesien

Goldabbau in Indonesien: Kulturverlust und fatale Folgen für Mensch und Umwelt

 

Indonesien, bekannt als das legendäre »Goldland«, gehört bis heute zu den wichtigsten Goldabbaugebieten weltweit. Die größte Goldmine der Welt liegt in Papua. In anderen Landesteilen wird Gold noch traditionell in Handarbeit abgebaut, doch mit schwerwiegenden Folgen für die Menschen, ihre Kultur und Umwelt.

von Dr. Mai Lin Tjoa-Bonatz

 

Nächtliche Suche nach Gold und Antiquitäten, bei Palembang, Musi River; Bildquelle: Mai Lin Tjoa-Bonatz

 

 

Gewinnung von Fluss- und Berggold

 

Gold wird seit alters aus goldtragenden Flüssen unter Verwendung traditioneller Hilfsmittel und überwiegend in Handarbeit gewaschen. Die Goldwäsche wurde meist nur saisonal neben der Agrarwirtschaft von Frauen und Männern betrieben. In der Kolonialzeit entwickelte sich das Minenwesen mit ausländischem Kapital und Technologie. Im 17. Jahrhundert wurden sächsische Bergleute nach Salido in West-Sumatra angeworben, um dort in tiefen Schächten das Berggold abzubauen. Von 1936 bis zum Zweiten Weltkrieg hat eine deutsche Firma im Lebong Distrikt in der Nähe von Bengkulu in West-Sumatra das begehrte Edelmetall gewonnen. Heutzutage werden die Goldresources in Indonesien auf 700 Tonnen geschätzt. Der »Goldrausch« in rund 850 Abbaugebieten im gesamten Archipel beschäftigte im Jahr 2013 rund eine Million Arbeiter in legalen aber auch illegalen Unternehmungen. Neben den internationalen Goldminen wird der Abbau von Fluss- und Berggold weiterhin als Kleingewerbe betrieben. Der Sand aus dem Flussbett wird über hölzerne Goldwaschrinnen geführt. Diese sind entweder mit Palmfasern oder heutzutage mit Kunststoffmatten ausgekleidet, sodass sich der goldhaltige Sand darin absetzt, aber anderes Geröll abfließt. In hölzernen Waschpfannen wird dann dieser Sand mit geschulten Bewegungen immer wieder geschwenkt bis nach einiger Zeit wirklich ein wenig Gold- und Silberstaub in der Schale schimmert.

 

Auch in Bergregionen Indonesiens wird inmitten des tropischen Regenwaldes an Felswänden oder unter Tage Gold und Silber abgebaut. Im Goldgräberdorf im Hochland von West-Sumatra erzählten mir die Arbeiter von ihrem eintönigen Arbeitsalltag, fehlender medizinischer Versorgung und der Gefahr vor Tigern, die um die Holzhütten streichen. Die weiß-glimmernden Goldadern werden verfolgt, abgeschlagen oder noch traditionell mit Feuer und Wasser abgesprengt: Das Gestein wird dann in mühsamer Handarbeit mit Hämmern weiter bearbeitet oder mit Wassermühlen zerkleinert. Die hölzernen Wasserräder, die ursprünglich nur in der Bergregion West-Sumatras für den Reisanbau Verwendung fanden, galten schon im 18. Jahrhundert als technologische Innovationen, die mit den Minangkabau auch im Tiefland für die Goldgewinnung eingesetzt wurden.

 

 

 

obere Bild: Goldpfanne, Gorontalo (Sulawesi) / rechtes Bild: Goldwaschrinne, Gorontalo (Sulawesi; beide Bildquellen: J.D. Neidel

   

 

 

Quecksilber birgt fatale Gesundheitsrisiken

 

Die Goldsucher verwenden Quecksilber, damit sich das Gold in wertvollen Kügelchen absetzt. Übrig bleibt quecksilberhaltiger Sand, der die Flüsse und Bäche kontaminiert. Quecksilber ist extrem giftig, verursacht schwerwiegende Langzeitschäden des Nervengewebes und gehört daher zu den besonders schädlichen Umweltbelastungen in den Gewässern. Bei meinem Besuch bei den Goldwäschern in Palembang im August 2019 wussten sie nichts von den Gesundheitsrisiken, die durch das Einatmen und Berühren dieses toxischen Schwermetalls entstehen.

 

Eine Gesundheitsstudie in Makassar aus dem Jahr 2017 hat ergeben, dass fast alle Goldsucher schwerwiegende neuronale Krankheiten zeigen, die sich durch Zittern, Störungen der Bewerbungskoordination im Stehen und Gehen ausdrückt. Alarmierend sind auch folgende Erkenntnisse von Langzeitstudien, die seit 2000 Goldschmiede und -sucher in Galangan in Kalimantan sowie Palu, Makassar und Talawaan auf Sulawesi untersucht haben: Je länger die Arbeiter und Arbeiterinnen in Berührung mit Quecksilber stehen und je höher die Dosis ist, desto deutlicher verschlimmern sich die Krankheitssymptome durch das Nervengift. Die Anzeichen seien besorgniserregend. Wissenschaftler und Umweltaktivisten fordern eine bessere Gesundheitsaufklärung, Abfallentsorgung und medizinische Betreuung.

 

 

 

 

 

  

Traditioneller Abbau von Gold in West-Sumatra mit Hammer und Wasserräder; Bildquellen: Mai Lin Tjoa-Bonatz

 

 

Goldtaucher finden Schätze des Handelsreiches Srivijaya

 

Am goldtragenden Fluss Musi bei Palembang in Südostsumatra lag einst das reiche Handelsreich Srivijaya des 7–12. Jahrhunderts, das durch seinen legendären Goldhandel prosperierte. Seit sieben Jahren gehen dort illegale Tauchboote auf die Suche nach Gold und antiken Schätzen. Die Taucher finden Schmuck, Statuen, Metalle, massenweise chinesisches Porzellan oder Steinzeugflaschen des 19. Jahrhunderts, die aus der Ahrweiler Mineralwasserfabrik stammen. Dieses Kulturgut, vorrangig aber Fluss- und Kulturgold, verkaufen sie auf dem Antiquitätenmarkt.

 

Die hölzernen Fischerboote wurden erfinderisch umgerüstet: Mithilfe einer durch Generatoren angetriebenen Absauganlage, die ohrenbetäubendem Lärm und Dieselgestank verursacht, gelangt der Sand vom Flusbett auf eine Waschpfanne. Hier wird er gesiebt und gereinigt. Zwei Männer beaufsichtigen den Siebvorgang, um größere verwertbare Objekte wie Altmetall, manchmal auch Goldschmuck oder Scherben auszusortieren. Auch hier wird der gesiebte Sand mit Quecksilber versetzt, um den Goldstaub zu binden.

 

 

 

 

 

 

 

Die gefährliche Arbeit mit Quecksilber. Sand vom Flussbett wird gesiebt, gewaschen und mit Quecksilber versetzt, um das Gold zu gewinnen, West-Sumatra; Bildquellen: Mai Lin Tjoa-Bonatz

 

 

Gefährliche Tauchgänge

 

Während der nächtlichen Tauchgänge erreichen die Taucher eine Tiefe bis 30 m und suchen das Flussbett nach verkäuflichen Objekten ab. Sie sind aber nur notdürftig mit selbstgebastelter Tauchausrüstung ausgestattet: Ein an einer Tauchmaske befestigter Gartenschlauch dient zur Beatmung, ein anderer als Verbindungsleine zum Boot und eine Metallkette zur Beschwerung. Die Taucher – einstmals Fischer – sprechen jedes Mal ein Gebet vor ihrem fast einstündigen Tauchgang, denn sie wissen nie, ob sie jemals wieder auftauchen werden. In vollkommener Dunkelheit, ohne Tauchanzug oder Handschuhe sind die muskulös-hageren Männer nach kurzer Zeit ausgekühlt, ihre Hände zerschunden. Es gab bereits unter den Tauchern einen Toten im Nachbardorf, aber hier geht es um das reine Überleben angesichts der minimalen Einnahmen für ihre Familien, die ihnen neben den festen Ausgaben für das Benzin und das Boot sowie den Schmiergeldern an die Polizei noch bleiben.

 

Die mehr als 800 Jahre alten Kunstschätze sind zwar gesetzlich als nationale Kulturgüter geschützt und müssten im Land verbleiben. Die konkurrierenden Banden von Antiquitätenhändlern, die den Tauchern die Ware abkaufen, verdienen ein Vielfaches mehr auf den Kunstmärkten in Jakarta, Bali oder dem internationalen Kunsthandel, wenn sie diese außer Landes schaffen. Diese Kulturschätze sind nicht dokumentiert und damit unwiederbringlich für die Geschichte des Landes und dessen Kulturgut verloren. Der Gold- und Kulturreichtum von Srivijaya wird ohne eine Aufarbeitung dieser Funde und Einhalt dieses Kulturausverkaufs nur eine Legende bleiben. 

 

 

 

Nächtliche Suche nach Gold und Antiquitäten: Auf dem Fischerboot mit Schatzsuchern im Hintergrund; der Sand wirdvom Flussbett abgesaugt, gesiebt, gewaschen und später mit Quecksilber versetzt, um das Gold zu gewinnen, bei Palembang, Musi-River; Bildquellen: Mai Lin Tjoa-Bonatz

 

 


 

Literaturhinweise:

 

Zum Weiterlesen – einsehbar unter der Plattform researchgate.net

 

Hasriwiani Habo Abbas et al.: Mercury Exposure and Health Problems in Urban Artisanal Gold Mining (UAGM) in Makassar, South Sulawesi, Indonesia. Geosciences 7/44 2017, 1-15

Brigitta Hauser-Schäublin, Lynn V. Prott (Hg.): Cultural Property and Contested Ownership. The Trafficking of Artefacts and the Quest for Restitution. New York: Routledge 2016

Mai Lin Tjoa-Bonatz: Die Herren der Goldringe. Spektrum der Wissenschaft 9, 2019, 80-85

Mai Lin Tjoa-Bonatz: Goldenes Indonesien – Neues zu Schmuckfunden aus dem frühen Java. Antike Welt 5 2019, 39-47

Mai Lin Tjoa-Bonatz, Andreas Reinecke (Hg.): Im Schatten von Angkor. Archäologie und Geschichte von Südostasien. Darmstadt: von Zabern 2015

 

               

Weitere Beiträge von Dr. Mai Lin Tjoa-Bonatz auf Indonesien Magazin Online:

 

Die »Titanic des Ostens« im Deutschen Technikmuseum in Berlin, vom17.04. 2019

Ein Goldschatz in der Mainmetropole, vom 15.12. 2017

Versunkene Schätze: Das maritime Kulturgut Indonesiens ist gefährdet, vom 14.02.2017

Missionare und Kunst: ein Spannungsfeld zwischen Kulturzerstörung und Kulturerhalt, vom 02.05.2016

Mystik und Magie um den Gunung Padang: Archäologie auf dem Prüfstein, vom 23.02.2016

 

Die Autorin zusammen mit den Goldsichern auf nächtlicher Tour auf dem Musi-River; Bildquelle: Privat / Dr. Mai Lin Tjoa-Bonatz

 

 

 

Indonesien Magazin Online

 

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