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GEOFON-Erdbeben-Alarm-System

Erdbeben-Entwicklungen auf Lombok über das Geoforschungszentrum Potsdam »live« mitverfolgen

 

Die Messung an der GEOFON-Station Plampang / Sumbawa, Indonesien, zwei Tage nach dem dritten schweren Beben auf Lombok innerhalb von zwei Wochen. Die Station liegt nahe der Insel Lombok; Quelle / Abbildung: Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ)

 

(InMaOn / JH, GFZ) Innerhalb der letzten zwei Wochen hat die Erde auf der Insel Lombok mehrmals heftig gebebt, zuletzt am 09.08. 2018 mit Erdstößen der Stärke M 5.9. Das Ausmaß der Zerstörung auf der bei Touristen beliebten Insel ist nach offiziellen Angaben des indonesischen Katastrophenschutzes noch immer nicht abzuschätzen. Es hat Hunderte Opfer gegeben, in manchen Dörfern steht kein Haus mehr und Hunderttausende sind obdachlos. Der Bedarf an humanitären Nothilfe - und Versorgungsmaßnahmen ist groß. Weitere Nachbeben sind nicht ausgeschlossen.

 

Auch in der Daten-Schaltzentrale des Deutschen Geoforschungszentrums in Potsdam (GFZ), dem nationalen Forschungszentrum für Geowissenschaften, hat es zu der Katastrophe auf Lombok reichlich Bewegung gegeben. Erdbebenaufzeichnungen werden dort laufend aktualisiert und über die im GEOFON-Netzwerk angeschlossenen Erdbebenregionen eingespeist. Interessierte Beobachter von Erbebenmeldungen haben die Gelegenheit diese Informationen über die Webseiten des (GFZ), »live« mitzuverfolgen.

 

Einige Informationen zu der Serie von Erdbeben auf Lombok – M 6,9 am 05.08 und M 6,5 am 28.07. 2018 – zeigen die dargestellten drei Schaubilder, bereitgestellt vom GFZ Potsdam.

 

 

Aktuelles Beben: Am 5. August 2018 ereignete sich ein starkes Erdbeben nahe der Insel Lombok/Indonesien, das vom GFZ in 13 km Tiefe geortet wird. Nur wenige Tage vorher fand bereits am 28. Juli 2018 (Ortszeit 29.7.2018, 05:47 Uhr) ein Erdbeben der Stärke M 6,5 auf der Insel Lombok in Indonesien in vergleichbarer Tiefe statt. Beide Erdbeben erzeugen Nachbeben, die die Stärke bis M 5 erreichen. Lombok gehört zu der vulkansichen Inselkette im südlichen Indonesien, die, wie auch die Nachbarinsel Bali, gerne von Touristen besucht wird.

 

Datum    Zeit (UTC) Tiefe (km) Koordinaten  Magnitude
05.08.2018 11:46 13  8,33° S 116,48° O M 6,9
28.07.2018 22:47 13  8,16° S 116,40° O   M 6,5

 

 

 

 

Seismotektonik: Hauptursache der Erdbeben und Vulkanbildung in Bereich der Inseln Java, Bali, Lombok, Sumbawa und Flores in Indonesien ist die Subduktion der ozeanischen Lithosphäre der Australisch-Indischen Platte unter die kontinentale eurasische Platte mit einer Geschwindigkeit von 25- 65 mm/Jahr. Diese Beben liegen im Bereich von Lombok ca. 100 km tief und zeigen eine nach Norden gerichtete Subduktion. Aus der Herdflächenlösung und der von GEOFON bestimmten Tiefe der aktuellen Lombok Beben vom 5.8.2018 und 28.7.2018 ist zu erkennen, dass diese Beben auf einer flachen, nach Süden gerichteten Bruchzone stattgefunden haben und einer Aufschiebung entsprechen.

Bei den aktuellen Beben auf Lombok handelt es sich um flache Überschiebungen, wie sie häufig bei Kollisionen einer ozeanischen Lithosphäre und einer kontinentalen Lithosphäre auftreten (Yeats et al., 1997). Diese Überschiebung erzeugt im Bereich der Inseln Lombok, Sumbawa und Flores ein tiefes Becken und einen Graben, der nördlich der Insel Flores im Osten bis zur Insel Lombok weiter im Westen zu verfolgen ist. Diese Überschiebung kann zu starken Erdbeben führen, wie das MW=7,8 Beben bei der Insel Flores am 12. Dez. 1992. zeigt.

Erdbeben entlang der Subduktionszone vor Indonesien sind häufig. Die letzten Starkbeben entlang der Subduktionszone fanden 1977 (MW=8,2), 1994 (MW=7,8) und 2006 (MW=7,7) statt. Sie können aufgrund ihrer geringen Tiefe und dem Tiefseegraben südlich von Indonesien zu Tsunamis führen, wie das Beben in 2006 zeigte. Zu diesem Subduktionssystem gehören auch Tiefbeben, wie das MS=7,9 Beben vom 17. Juni 1996 nördlich der Flores Inseln in 500 km Tiefe.

 

 

 

Seismische Gefährdung: Die seismische Gefährdung der Insel Lombok wird sowohl von der Subduktionszone im Süden der Inselkette als auch durch flache Erdbeben nördlich von Lombok bestimmt. Sie ist bisher als geringer eingeschätzt, als im Vergleich zu den Nachbarinseln Java oder Bali. Die jetzigen Beben waren mit 13 km Tiefe flach und fanden direkt unter der Insel Lombok statt. Flache Erdbeben dieser Stärke können zu starken Erschütterungen an der Oberfläche führen, die Schäden an Gebäuden verursachen und zu Hangrutschungen führen können.

 

Quellen für obere Grafiken und Texte: GEOFON, GSHAP, World Stress Map, USGS, GeoNames, Bird, P. (2003), ETOPO1, SRTMGL3

 

 

 

Die Seismologie gehört zu Kernbereichen der Forschung des GFZ, das mit seinem GEOFON-Erdbeben-Alarm-System das zweitgrößte globale seismologische Messnetz betreibt. Es dient dem weltweiten Monitoring von Erdbeben. Das GEOFON Programm bietet seismische Echtzeit-Daten, den Zugriff auf eigene und externe Daten in einem dauerhaften Archiv, ebenso wie schnelle und weltweite Erdbebeninformationen

 

Über den »Automatic GEOFON Global Seismic Monitor«, eine Weltkarte der globalen Seismizität, die automatisch mithilfe des globalen virtuellen seismischen Netzwerks lokalisiert wird, werden detaillierte Informationen für das letzte große Erdbeben angezeigt. Daneben lassen sich chronologisch geführte Daten zu sämtlichen dem GEOFON- Netzwerk angeschlossenen Erdbebenregionen über ein »Erdbebenbulletin« abrufen.

 

Jeder Interessierte kann sich 24-Stunden Monitor-Seismogramm-Darstellungen von den Echtzeit-Stationen des GEOFON-Netzwerks anzeigen lassen. Die Messdaten dieser Stationen werden normalerweise in Echtzeit in das Seismologische Daten-Zentrum von GEOFON in Potsdam übertragen. Es kann aber zu minimalen Zeitspannen bis zur Aktualisierung kommen, falls eine Station nicht funktioniert oder die Internetverbindung gestört ist. Die GIF Dateien des Tages werden alle 10 Minuten erneuert.

 

Um die anspruchsvollen und wichtigen Aufgaben des Forschungsnetzwerks »GEOFON Extended Virtual Metwork (GEVN)« zu erfüllen sind viele Kooperationen notwendig. GEOFON besteht aus mehr als 80 aktiven, qualitativ hochwertigen Stationen mit Echtzeit-Datenerfassung und wird gemeinsam mit mehr als 50 internationalen Partnern und Institutionen auf allen Kontinenten betrieben

  

Auch das »Indonesian Seismic Network« ist mit eingebunden. Dieses Netzwerk integriert zahlreiche Einzel-Stationen, quer über den indonesischen Archipel verteilt. Gerade Indonesien ist aufgrund der besonderen Lage auf den Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde, fast permanent von Erdbewegungen betroffen. Das seismische Gefährdungspotential ist demzufolge hoch, in der gesamten indonesischen Inselwelt. Im GEOFON Daten-Zentrums eingehende Messdaten sind daher gerade aus dieser Region keine Seltenheit.

 

Exemplarisch dafür steht die GEOFON-Messstation »PLAI = Plampang / Sumbawa«, eine Einrichtung zwischen dem Vulkan Rinjani und dem Vulkan Tambora gelegen. Mithilfe eines »GEOFON Live Seismogramm Anfrageformulars« kann diese Station ausgewählt werden, um sich Aufzeichnungen von aktuellen oder früheren Beben abbilden zu lassen. Die Nähe von Plampang zum Hypozentrum der Lombok-Beben lässt die Intensität der Erschütterungen nur erahnen. Die Ausschläge sind extrem, hier durch grafische Aufzeichnungen der Erdbebenwellen veranschaulicht.

 

Es sind Seismogramme von den beiden ersten Beben in der Region Lombok abgebildet, sowie dem Tag davor:

27.07.2018; GEOFON-Messstation »PLAI = Plampang / Sumbawa«, nahe Lombok; Quelle: GFZ

28.07.2018; GEOFON-Messstation »PLAI = Plampang / Sumbawa«, nahe Lombok; Quelle: GFZ

 

 04.08.2018; GEOFON-Messstation »PLAI = Plampang / Sumbawa«, nahe Lombok; Quelle: GFZ

  

05.08.2018; GEOFON-Messstation »PLAI = Plampang / Sumbawa«, nahe Lombok; Quelle: GFZ

 

Mit dieser besonderen Art der Bereitstellung von seismischen Daten und Erdbebenparametern bietet das GFZ die virtuelle Möglichkeit – für jeden und jederzeit – Bild und Text über Erdbewegungen rund um die Erdkugel abzurufen. Geeignet ist dieser spezielle Service nicht nur für Wissenschaftler und Seismologie-Sachkundige sondern auch für weniger fachkundige Personen, die Interesse an geowissenschaftlicher Terminologie haben oder einfach nur auf dem Laufenden sein möchten.

 

 

 

 

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